Tag 12 im Dschungelcamp: Sag zum Abschied leise Lügen
(25.01.12, 09:44 Uhr) dab Osnabrück. Das Dschungelcamp wird oft als ehrlich missverstanden, weil die Moderatoren jeden veralbern – auch sich selbst. Tatsächlich gilt wie immer: Wo Kameras stehen, da wird auch gelogen. (Besonders an Abreisetag.)
„Yeah, Babyyyy! Ich bin happy! Ich geh zu meinen Schnuffiiiis! Oah, wie geil! Werd für mich Dschungelkönigin, Brigitte!“ Ihren Rausschmiss aus der Sendung quittiert Radost Bokel mit gespielter Begeisterung. Der Jubel im Moment der Niederlage gehört zu den unangenehmsten Standards der Sendung. Tatsächlich hat Radost Bokel ja gerade das Ergebnis in ihrem Wettkampf um Popularität erfahren: Der völlig unbekannte, wenig sympathische, verleugnete Sohn des scheußlichen Uwe Ochsenknecht kommt also immer noch besser an als sie. Immerhin: Die Porno-Seiten-Betreiber interessieren sich wieder für Radost Bokel und stellen – zumindest, wenn bild.de Recht hat – illegale Sex-Videos von ihr ins Netz. Wie sagt man da? „Yeah! Ich bin happy
Ohnehin sind die Auszüge aus dem Camp der Gipfel der Falschheit. Mitunter geschieht die Heuchelei aus Liebe – zum Beispiel wenn der Sohn von Ramona Leiß seiner eigenen Mutter ins Gesicht lügt: Na klar bist du sympathisch rübergekommen. Die Kandidaten selbst haben in ihren letzten Sendeminuten Torschlusspanik: Jetzt müssen die Weichen für die Nachverwertung ihres Auftritts gestellt werden. Daniel Lopes umarmt am Strand in abgeschmockter Freiheitspose die Welt. Jazzy, immer eine Spur vulgärer, beißt in einen No-Name-Hamburger und zeigt uns allen launig den Mittelfinger. Ich bin ich geblieben, heißt das. Augenblicklich schwenkt dann die RTL-Regie um, die ihren Schützling eben noch nach Kräften in seiner Selbstinszenierung unterstützt hat – und demontiert Jazzy ein letztes Mal. All ihre Versuche, dem Auftritt im Camp einen Sinn zu geben, werden schnurstracks ausgehebelt. „Ich bin nie an meine Grenzen gekommen“, baut Jazzy sich selbst auf – ein schöner Anlass, noch einmal die Archivbilder zu zeigen, in der die Sängerin unter Tränen erklärt, dass ihr Limit überschritten ist. Hut ab, vor dem Aufklärungs-TV!
Eine Pflichtübung aller Container- und Urwaldformate: Einmal pro Staffel wird die daheimgebliebene Sippschaft gezwungen, Briefe in den TV-Knast zu schicken. Beim Verlesen wird geheult. „Dieses Papier kann nicht ausdrücken, wie sehr ich dich vermisse“, erfährt Brigitte aus dem konventionellsten aller Liebesbriefe. Grund genug für das einstige Kino-Kampfmonster, mit erheuchelten Tränen ihren menschliche Seite zu zeigen. Merke: Brigitte Nielsen ist nicht nur eine allzeit tanzende Stimmungskanone. Sie hat auch Gefühl. Ein Moment der unfreiwilligen Wahrheit scheint nur bei Micaela auf, die sagt, was alle denken: Komisch, sonst kriegt sie doch nie Briefe. Mehr so SMS. Richtig, und weil im wirklichen Leben niemand mehr schreibt, meinen offenbar alle, dass handschriftliche Post früher mal was unsagbar Berührendes gewesen sein muss. Kaum ist die Schriftkultur verloren, setzt auch schon ihre Überschätzung ein.
Unaufgeregt und auf den Punkt ist wieder einmal nur Kim Debkowski. Sie muss erneut zur Dschungelprüfung und zeigt einmal mehr ihre bewundernswerte Gabe, eine hässliche Welt mit ihrer eigenen Schlichtheit und Güte anzustecken. Der erpresste Verzehr von Schweine-Vaginen hört auf, eine Demütigung zu sein, wenn Kim ihn mit begeistertem Jubel zur verrücktesten Idee der Klassenfahrt macht – um dann mit einer vergnügten Saufgeste den Becher Kakerlaken zu bestellen. Alle Gemeinheit des hämischen Formats prallt ab an Kims euphorischer Kindlichkeit. So sehen Dschungelkönige aus!