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Locas in love, 25.02.2012

Locas in love

Locas in love

Konzert & Bühne
Samstag, 25.02.12, 21:00 Uhr

Beschreibung

Locas in Love

Externes Bild

Die Welt ist ein seltsamer Ort. Vor gut drei Jahren wohnte ich auf der Neusser Straße im Kölner Agnesviertel. Hier saß ich in meiner Wohnung und schrieb. Meistens über Musik. Eines Tages landete das Album einer deutschsprachigen Band auf meinem Schreibtisch. Deutschsprachige Bands waren mir zu diesem Zeitpunkt noch gleichgültiger als das Spätwerk Chris de Burghs, entsprechend gering war das Interesse, das ich dem Werk entgegenbrachte. Doch schon nach kurzer Laufzeit war ich vollkommen hin und weg: Die Texte, Melodien und Arrangements hatten nichts zu tun mit dem, was damals mehrheitlich unter dem Banner „Popmusik aus Deutschland“ fabriziert wurde. Hier wurden nicht einfach Poprock-Formeln zusammengehauen und diffuse Befindlichkeiten im Tagebuch-Stil oder vermeintlich troststiftende Ratschlag-Lyrik darübergesungen – diese Musik hatte Stil und sie kam hörbar von einem Ort, an dem ein leidenschaftliches Herz pochte. Vor allem aber zeichnete diese Platte etwas aus, was mir lange – nicht nur bei deutschsprachiger Musik – gefehlt hatte: Attitüde. Zwar wurden hier keine expliziten Phrasen des Aufruhrs gedroschen, aber aus jedem Ton drangen Haltung und ein gänzlich selbstverständliches Anderssein: Diese Band klang, als könnte man an sie glauben. Als würde sie nicht jeden Unfug mitmachen. Das betreffende Album war „Saurus“, das zweite Langwerk von Locas In Love. Ich schrieb eine Lobeshymne und bezeichnete das Album als „Offenbahrung“. Daß die 2001 gegründete Band nicht nur aus Köln stammte, sondern dass sie diese wunderbare Platte auf der Neusser Straße aufgenommen hatte, wo sich, nur fünf Häuser von meiner damaligen Wohnung entfernt, ihr Studio befindet, wurde mir erst später klar. Diese grandiose Musik war in meiner unmittelbaren Umgebung entstanden und ich hatte nichts davon gewusst. Wie gesagt: Die Welt ist ein seltsamer Ort. Vier Jahre sind seither vergangen. Und obwohl ich jetzt das Info zur neuen Platte schreiben darf, muss ich zugeben: Ich kenne die Leute von Locas in Love, die wie ich dieses manisch- depressive Dorf namens Köln bewohnen, eigentlich immer noch nicht. Sänger und Gitarrist Björn Sonnenberg und Sängerin/Bassistin Stefanie Schrank sah ich kürzlich bei einer Dario Argento-Filmvorührung und mit Gitarrist Jan Niklas Jansen palaverte ich mal über die Segnungen der Flaming Lips. Trotzdem sind wir uns komischerweise in den vier Jahren seit „Saurus“ nicht oft über den Weg gelaufen. Inzwischen ist viel passiert: Björn Sonnenberg und Stefanie Schrank haben geheiratet (getraut wurden die beiden von LD Beghtol, der seine Stimme und seine Tenorukulele aus den Vierziger Jahren auf dem Magnetic Fields-Album „69 Lovesongs“ ertönen ließ und der bei der Universal Life Church eine Lizenz erwarb, um Menschen zu trauen; sein Hochzeitsgeschenk an die beiden Locas war eben jene legendäre Tenorukulele). Kurz davor erschien das Album „Winter“, ein Jahreszeitenalbum, das die

eigensinnige Band von ihrem Restschaffen losgelöst betrachtet wissen möchte und das zusätzlich zu seiner spröden Schönheit mit zahlreichen prominenten Helfern (darunter der Spoon-, The National- und Sufjan Stevens-Trompeter Kyle Resnick und LD Beghtol, der Ehestifter mit der Ukulele) zu punkten wusste. Dazwischen standen Locas In Love immer wieder auf der Bühne, sogar für eine EP fand man zwischendurch noch Zeit.
Nun aber endlich das neue Großwerk. Auf „Saurus“ folgt „Lemming“ - das ist Evolution! Ein logischer Schritt, eine konsequente Entwicklung – und dennoch ist nichts, wie es mal war. Alles fängt von vorne an, auch wenn die Menschen sich eigentlich gar nicht verändert haben. Denn obwohl diese Band schon immer für Unbedingtheit und Konsequenz stand, sind die neuen Songs von einer künstlerischen Radikalität, die ihresgleichen sucht. Klar, schon früher ging es bei Locas in Love um viel. Aber jetzt geht es ums Ganze, ums Große, es geht um Leben und Tod; man möchte sagen: um die Wurst. Es geht darum, Dinge zu sagen, die gesagt werden müssen. Dinge, die nur Locas in Love sagen können. Denn diese Band weiß um die Kraft der Kunst und darum, was sie mit den Lebenden anrichten kann.

Osnabrück, Glanz&Gloria
LOCAS IN LOVE

Eintritt: 10.-eur zzgl. Geb.
Einlass: 20:00 uhr
Beginn: 21:00 uhr

Präsentiert: Stadtblatt Osnabrück, GIG

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